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28. November 2025 • imkerverein_admin

Asiatische Hornisse

Als im August 2025 der Hilferuf einer Imkerin aus Niederhadamar den Imkerverein
Hadamar-Dornburg erreichte, war sofort klar das gehandelt werden muss. Die Imkerin
bemerkte bei routinemäßigen Arbeiten an den Bienenvölkern die Asiatische Hornisse.
Der Verein beschäftigt sich schon seit über einem Jahr mit dieser Invasiven Art, wenn
bislang auch nur theoretisch. Schnell wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, um die
erforderlichen Maßnahmen einzuleiten. Parallel bat man die Öffentlichkeit, durch Presse
und digitale Medien, um Unterstützung. Die größte Unterstützung, die jeder leisten
kann, ist beobachten und melden! Beobachten kann man beim Spazieren gehen,
genauso wie zu Hause im Garten, z.B. beim Grillen, wenn dort die Hornissen am Fleisch
sitzen. Die schon oft erwähnten Locktöpfe (Details siehe unten) bieten eine sehr
einfache Möglichkeit der Beobachtung. Sie dienen NICHT zum Fangen, sondern zum
Locken und Füttern Auf dem Fensterbrett oder einer Stelle, die man im täglichen Ablauf
gut im Blick hat, ist die Sichtung, Identifikation und Erstellung eines Fotos sehr einfach.
Die Arbeitsgruppe begann mit dem Fangen und Markieren von Asiatischen Hornissen.
Dies dient der Möglichkeit die Zeit zu bestimmen die vom Abflug bis zur Rückkunft
benötigt wird. Aus dieser Zeit kann man die ungefähre Entfernung des Nestes
bestimmen. Außerdem musste die Abflugrichtung beobachtet werden.
Mit diesen Informationen hat man dann Locktöpfe in der beobachteten Richtung
aufgehängt. Gefangene Tiere wurden an diese neuen Locktöpfe gesetzt und es wurden
erneut Zeiten und Abflugrichtungen bestimmt. Auf diese Weise hat man sich sukzessive
dem Nest genähert. Was sich so einfach anhört, war in Wirklichkeit ein Prozess über
mehr als vier Wochen. Es gab oft Rückschläge und Zeiten, in denen kein Weiterkommen
möglich schien. Im letzten Schritt haben wir den gefangenen Hornissen ein Fähnchen
umgebunden, um so die Tiere in der Luft länger verfolgen zu können, was uns
letztendlich zum Nest geführt hat. Ein Gast-Sucher, der eigentlich Würstchen in der
Hadamarer Innenstadt, verkauft, und sich aus Interesse unserer Suche angeschlossen
hatte, landete den Volltreffer und entdeckte beim Verfolgen einer mit Fähnchen
ausgestatten Hornisse das Nest.
Das große Nest befand sich ca. 20 Meter hoch, gut getarnt, in einer Baumkrone. Bilder
sowie Position wurden dann über die Meldeplattform des Hessisches Landesamt für
Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG ) gemeldet. Durch das RP Gießen ist dann
die Nestneutralisierung durch Thomas Poetsch beauftragt worden. Thomas Poetsch, der
zwei Jahre lang durch Reiner Jahn (Wespen- und Hornissenberater, Beauftragter des
Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG)) ausgebildet
wurde und Vorsitzender des Kreisimkerverein Mittelhessen e.V. ist, sieht es als einmalige
Chance durch rechtzeitiges Handeln die Verbreitung so klein wie möglich zu halten. Er
zieht seine Motivation auch daraus das er sich echte Gedanken um Bestäuber wie
Wildbienen, Wespen, Fliegen und Co macht, wie er auch in einigen Artikeln des
Imkerverein Wetzlar berichtet.
Am 13.10.2025 wurde das Nest erfolgreich neutralisiert.
An dieser Stelle bedanken wir uns bei allen, die uns bei der Suche unterstützt haben.
Privatpersonen die uns Zugang zu ihren Geländen gestattet haben, die Jägerschaft die
uns Zugang zu ihren Jagdrevieren möglich machten, den Drohnenpiloten die mit
hochmoderner Technik unsere Suche unterstützen, sowie all diejenigen die durch
Hinweise mitgeholfen haben.
Die Asiatische Hornisse ist eingewandert und eine, nach dem Gesetzt, bereits etablierte
invasive Art. Durch Managementmaßnahmen soll ihre Auswirkung auf die Biodiversität,
die menschliche Gesundheit und die Wirtschaft minimiert werden. Dies bedeutet, dass
das Ziel nicht mehr die vollständige Ausrottung ist, sondern die Kontrolle und
Eindämmung der Populationen ist. Mit der weiteren Verbreitung und Zunahme der
Nester ist eine Auswirkung auf das öffentliche Leben durch z.B. Nester in Parks, in der
Nähe von Schulen oder Kindergärten zu erwarten. In Nestnähe fühlen sich die Hornissen
bedroht und reagieren entsprechend – anders als die bei uns heimische Europäische
Hornisse.
Die Asiatische Hornisse ist nicht, wie viele glauben, ein Problem der Imker! Vielmehr
sind es die Imker die diese Gefahr als erstes wahrnehmen. Wenn man bedenkt, dass ein
Nest der Asiatischen Hornisse pro Jahr zwischen 11 und 20 kg Insekten vertilgt, kann
man sich ausmalen, was dies für die Biodiversität bedeutet. Wespen, Fliegen, Käfer,
Schmetterlinge bis hin zu Spinnen zählen zu der Nahrung der Asiatischen Hornisse.
Genauso Bestäuber wie Hummeln und Wildbienen, ja sogar Aas- und Dungfresser, die
eine wichtige Rolle bei der Zersetzung organischen Materials spielen.


*Locktopf: Becher, oder Glas mit geschlitztem Deckel durch den ein Docht aus Stoff
oder Schwammtuch gesteckt wird. Der Behälter wird dann mit einer Mischung aus Bier,
Wein und Zuckerwasser (Sirup) gefüllt

Locktopf mit Asiatischer Hornisse
Nest der Asiatischen Hornisse